Johannes Pistorius I (1664?-1730)

Biographie: Basler Bürger; Sohn des Schriftgiessers Cyriakus (ca. 1628/29-ca. 1689/90) und der Jakobea Decker (1642-nach 1669; Tochter des Universitätsbuchdruckers Georg Decker). 1678 an der phil. Fakultät der Universität Basel immatrikuliert (2.12.1679 Baccalaureus). Zunächst Schriftgiesser; eröffnete 1688 eine Buchdruckerei in Neuchâtel. Im November 1692 aufgrund von Beschwerden des franz. Gesandten Michel-Jean Amelot (im Auftrag Ludwig XIV.) ausgewiesen, führte die Druckerei aber von Basel aus weiter; übernahm dort gleichzeitig die Leitung der väterlichen Schriftgiesserei, kehrte aber später immer wieder nach Neuchâtel zurück u. druckte dort 1707 eine Adresse in Plakatform an König Friedrich I. von Preussen, den neuen Fürsten Neuenburgs. War die meiste Zeit offenbar gleichzeitig in Neuenburg u. in Basel (wo er nach dem Tod des Vaters das Haus Burckheym/zur Picke besass) tätig: 1690 in Basel als Buchdruckerherr in die Gesellschaft aufgenommen, wobei sich Drucke erst ab 1704 (Fraktur- u. Antiqua-Probe) nachweisen lassen. Wann genau Pistorius die Druckerei in Basel einrichtete, ist jedoch unklar. Gab die Geschäftsleitung 1727 aus gesundheitlichen Gründen an seinen Sohn Johann Rudolf (1707-1747) ab (blieb aber offenbar bis zu seinem Tod Besitzer der Firma), was die  Bezeichnungen wie "typis", "literis" u. "sub praelo" in den Drucken ab diesem Jahr erklärt. Nach Johannes' Tod führte die Witwe die Druckerei für kurze Zeit und mehrheitlich unter denselben Bezeichnungen, selten mit dem Zusatz "Wittib" weiter, während Johann Rudolf vermutlich die Schriftgiesserei erbte (cf. Bauer). 1731 ging die Druckerei dann offenbar an den jüngsten Sohn Johannes (1712-1743).
Verheiratet ab dem 9.12.1689 mit Johanna Ritschard aus Interlaken (1666-1700), seit dem 3.10.1701 für kurze Zeit mit Catharina Ramspeck (1667-1702; mit ihr eine Tochter), bei deren Tod er erwiesenermassen nicht in Basel war; schliesslich seit 29.10.1703 in dritter Ehe mit Margaretha du Moulin (Dumoulin; ca. 1675-?) aus Vevey; mit ihr die zwei erwähnten Söhne, Johannes II u. Johann Rudolf.

Zu Lebensdaten u. Wirkungszeit: Getauft am 7.7.1664, gest. lt. Paisey 1727, lt. den Basler Matr. (nach J.H. Weiss, Verzeichniss der in Basel verstorbenen und begrabenen Bürger und Einwohner seit dem Jahre 1730 bis 1819. Basel, 1819) jedoch am 19.4.1730 bestattet (was ein Sterbedatum in diesem Jahr als sicher gelten lässt). Während Paisey sich vermutlich entweder auf einen falsch datierten Druck der Witwe abstützt - der erste eindeutig von ihr hergestellte stammt von 1731 - oder aber den Rückzug von Johannes Pistorius von der Geschäftsleitung mit seinem Tod verwechselt, kann dieses Bestattungsdatum kaum angezweifelt werden.

Wirkungszeit: 1690?-1730 (1727)

Standort(e) der Offizin: Haus Burckheym (zur Picke), St. Elisabethenstrasse 2 (mutmasslich)

Motto: -

Vorgänger: -

Nachfolger: Witwe Margaretha

Kooperationen: -

Programmschwerpunkte: Hochschulschriften u. Leichenpredigten

Produktion (noch nicht vollständig erfasst):
a) Liste aller bekannten Drucke
b) Exemplare der UB Basel


Literatur:
• Basler Matrikel, Bd. 4, S. 120 (Nr. 731)
• Bauer, Friedrich ; Reichardt, Hans. - Chronik der Schriftgiessereien in Deutschland und den
   deutschsprachigen Nachbarländern. - bearb. u. erw. Ausg. - Offenbach a.M., 1928 ; Frankfurt a.M.,
   2011. - Online: http://www.klingspor-museum.de/KlingsporKuenstler/ChronikSchriftgiessereien/ChronikderSchriftgiesserei.pdf
• Bruckner, Albert (Bearb.). - Schweizer Stempelschneider und Schriftgiesser : Geschichte des
   Stempelschnittes und Schriftgusses in Basel und der übrigen Schweiz von ihren Anfängen bis zur
   Gegenwart. - Basel : Benno Schwabe & Co., 1943, S. 51-65
• Historisches Familienlexikon der Schweiz (http://www.hfls.ch/humo-gen/family/1/F78857?main_person=I232709)
• HLS (03/02/2010)
• Paisey, 1988, S. 197